PODCAST-FOLGE

#196 Von wegen faule und inkompetente Mitarbeiter ruinieren die Firma - toxische Chefs sind das schlimmste Übel!

Der ichbindochnichthierumbeliebtzusein.com PodCast - Alles um die Themen Führung, Fliegen, Technik und Alltag. Von und mit Steve Schutzbier

14-01-2022 • 13 Min.


Von wegen faule und inkompetente Mitarbeiter ruinieren die Firma - toxische Chefs sind das schlimmste Übel!

Ich bin immer gerne bei Veranstaltungen dabei, die den Mitarbeiter als den einzig Schuldigen identifizieren. Rechtsanwälte, die dir die Faulen und Dummen über Board werfen, damit der Rest des Ladens läuft? Ja, wirklich - kann es nicht sein, dass deren Führungskraft das größere Problem darstellt? Oder auch der typisch-toxische Mitarbeiter, der seine Kollegen mit runterzieht: Er ist faul, aber schleimheilig (sorry, meine Wortkreation!) und wickelt seine Führungskraft um den Finger. Er machts nichts, aber alle seine Kollegen müssen das ausbaden. Er leistet nicht, blendet aber den Chef als Überflieger. Wirklich? Wäre die Welt so einfach, würde es kein einziges Unternehmen mehr auf der Welt geben! Und andersherum ist noch schlimmer: toxische Chefs, die alles um einen herum vergiften, nur um selbst besser dazustehen...!

Endlich auf Netflix: The Office! / Bild-/Quelle: IMAGO/Cinema Publishers Collection


Stromberg - muss ich mehr sagen? Er taugt leider für alles...

Manche toxischen und aktuell noch potenziellen Mitarbeiter auf höheren Ebene lassen sich ganz einfach vermeiden: durch gutes Hinsehen, Misstrauen und ein paar, wenn auch leicht energischen oder unverschämten Fragen: Nehmen wir, als halbfiktives Beispiel, einen angeblichen Super-Vertriebler, MBA, dessen Lebenslauf über ein halbes Jahr in den Unterlagen eines auch eher mittelmäßigen Firmenchef versackt - um dann in weiteren drei Monaten ausgegraben und völlig problemlos für das Unternehmen gewinnen lässt, da der Kandidat aktuell kein weiteres Angebot hat.
Bin ich wirklich der Einzige, der durch folgende Fakten rote Alarmlichter blinken sieht? Super-Vertriebler, seit neun Monaten kein Angebot? Abgesehen davon interessiert mich sein vorhergehendes Unternehmen. Dort mal anzurufen trauen sich einfach zu wenig Leute, es ist immer wieder erstaunlich, was ehemalige Sekretariate und Vorgesetzte plötzlich alles loswerden wollen. Einfach mal ausprobieren, mehr als ein Nein oder ein Auflegen passiert nie! Eher mehr, aber "Pssst!", offiziell ist das ja alles nicht!

Bleiben wir bei meinem halbfiktiven Beispiel : Es gibt nun mal zu viele Vertriebler, die heute mit einem teuren, aber leider nur billigen Standard-MBA aus irgendeiner Hochschule dieser Welt gespuckt werden. Und die, abgesehen von den schlechtesten Dummsprüchen ("Ich führe einen VIP-Club ein...!") der Siebzigerjahre und den immer gleichen vier Formeln, die bloß ihren Bonus in die Höhe treiben, nichts auf dem Kasten haben. Aber dafür das Glas Honig, um den halbschlechten CEO um den Finger zu wickeln. Kein Wunder, wen der sich nicht fragt, warum so eine Koryphäe nach neun Monaten immer noch problemlos verfügbar ist... Déjà-vu!

Und jetzt denke mal jeder an seinen schlechtesten Chef in der bisherigen Karriere: war der streng? Ungerecht? Konnte man es ihm nicht recht machen und sowieso was immer nur alles Dreck, was du abgeliefert hast? Vielleicht auch noch cholerisch? Oder nie da, praktisch ein Fernlenker, ein Hubschrauber-Führer? Oder ein ChefChef-Einschleimer?

Das kann, selbst in Summe, muss aber noch kein toxischer Chef sein. Aber... was macht so einen Typus an sich aus und wie kann man ihn vermeiden?

Einfachstes Indiz und in Brillianz und Einfachheit nicht zu überbieten: dein zukünftiger Chef hat es nicht nötig, in deinem Vorstellungsgespräch aufzutauchen. Und du merkst an den Reaktionen von HR und seinem Vertreter, dass da nicht eine Beerdigung des besten Freundes, eine Verspätung des Linienfliegers oder ein kurzfristig dringender Kundentermin in die Quere gekommen ist. Einfach die Antennen ausfahren und auch mal nachfragen, wann denn ein Kennenlernen im Vorfeld machbar wäre, wenn dir hier was komisch vorkommt; zur Sicherheit noch mal bei kununu und LinkedIn die Firma und/oder Chef oder gleich bei Google googlen, da findet sich sicherlich was, was dein Gefühl untermauern könnte. Dann Hände weg und ab zur nächsten Stelle bei einer anderen Firma! Du bist nicht im Bilde darüber, was du dir gerade erspart hast!

Gehen wir doch mal auf das Toxische im Detail ein:

Ebenfalls ein Problem ist die hohe Quote von Chefs, die das Ende ihrer Kompetenz und somit auch das Ende ihrer Karriereleiter erreicht haben. Da denke man nun wieder an unseren TV-Freund Stromberg: intrigant, schleimheilig und um keine Schleimspur und Peinlichkeit verlegen. Wenn du so jemand als "Chef" hast - nix wie weg, du wirst hier weder gefördert noch ist ein Weg auf der Karriereleiter machbar. Wenn du allerdings bis zur Rente Schläfer sein möchtest, dann halte dir den Chef warm, hier stehen die Chancen gut... ich "fürchte" aber, dass du nicht Leser meines Blogs bist...

Auch an Stromberg orientiert, die nächste Stufe der Toxik: komplett kompetenzlose Führungskräfte, die an ihren unterstellten FKen vorbei einfach Mitarbeiter beauftragen - ohne Absprache. Die Anweisungen der unterstellten Führungskräfte einfach mal so widerrufen oder genau das Gegenteil anweisen und Projekte einstellen oder starten, ohne Rücksprache und Klärung. Noch schlimmer: wenn sie Verträge zeichnen, die auf der darunter liegenden Ebene quer durch die Firma abgestimmt als Undurchführbar ad acta gelegt wurden.

Und nochmal zu Bernd Stromberg: ganz schlimm ist die Mischung als vorgeschobener Politik und Arschkriechen. Wenn plötzlich eine Schachtel Kippen auf dem Schreibtisch liegt und man mit jeder Faser das Auflauern auf ChefChef oder Konzernlenker im Auge hat, um hier "zufällige" Treffen am Ascher vorzugaukeln. Und immer ein Thema und eine Heldendarstellung oder ein Schlechtreden auf den Lippen. Stellt sich mir immer die Frage: wo sind die guten alten Konzernlenker hin, die mit Verweis auf IHRE Führungsstufe auch mal ein "Sie sind nicht auf einer Ebene, aus derer Sie überhaupt mit mir reden dürfen!" von sich geben - also, wenn man sie mal braucht???

Und nun zu der letzten Stromberg'schen Stufe: das Menschliche. Sagt sich immer so schön im schleimheiligen Gespräch nach oben oder, noch klassischer, mit der hauseigenen Mitarbeiterzeitung, während in Wahrheit alles, was kleiner ist, angeschrien, angepöbelt, klein- und mundtot gemacht wird. Da wird gerne mal überzeichnet bis zum Mobbing bzw. Bossing (eigener Blog hierzu hier), während ChefChef das Vorlecken der Briefmarkenrücken angeboten wird und die Schuld, so ganz nebenbei, wieder auf die eigene so unfähige und einfach nicht führbare Mannschaft geschoben wird...

Aber Vorsicht: nicht jeder Stromberg ist ein Stromberg! Nur weil eine neue, oder wie ich lieber dazu sage, eine junge Führungskraft es nicht gebacken bekommt und sich durch Druck eine Stimme verschaffen will oder eben dem Druck von oben nicht gewachsen ist und das eben auch mal an den Mitarbeiters auslebt, ist das nicht in jedem Fall gleich toxisch. Unprofessionell und ungeschult, ahnungslos und ins kalte Wasser geschmissen, ja. Aber nicht zwangsweise schon toxisch - siehe Stromberg Staffel eins bis fünf...! Wer also immer Ideen für dämlich und dumm abstempelt, um dann Fähnchen im Wind zu spielen und den "Quatsch" dann als ihre Ideen nach oben verkaufen, die Leute für dumm darstellen und Meinungen einfach todbügeln... ja, was nun machen?!?

Love it, change it or leave it!
Suche mal das Gespräch mit dem Chef. Wenn du dich danach wie Ulf oder Ernie fühlst, hast du ein klares Anzeichen. Höre doch mal beim Betriebsrat vorbei. Bist du nicht der Erste, der hier mit dem Namen der Führungskraft an die Tür klopf? Wie sieht es beim Chef des "Toxikologen" so aus? Ist da ein offenes Ohr? Lasst euch aber nicht als Spitzel gegen den eigenen Chef mit Ausblick auf Karriere oder eine baldige Kündigung des Giftzwergs ein, das kann ganz schnell nach hinten gehen - und dann hast du niemanden auf deiner Seite! Und der letzte Weg geht in die HR... ihr kennt meine Meinung, ich halte von diesem Berufszweig soviel wie von Hellseherei, also geht diesen Schritt nur, wenn ein überraschender Exit eurer Person aus dem Unternehmen nicht das Schlimmste ist, was euch passieren kann. Und passt auf, sofern ihr das ermitteln könnt, nicht bei dem Personaler zu landen, der euren Problemchef eingestellt und/oder befördert hat...!

So oder so, fangt schon mal an, Stellenanzeigen zu lesen. Klar, auch die internen, wenn sie weit genug weg sind. Aber, auch wenn Stromberg eine Ausnahme zu sein scheint, es liegt einiges im Argen, wenn mein einen Chef dieser Art, noch dazu, wenn er außer heißer Luft wenig vorzuweisen hat, schalten und walten lässt. Die Chance ist groß, dass du intern an anderer Stelle wieder so einen oder einen noch schlimmeren Typen dieser Art vor der Nase hast...

Und wenn du schon extern suchst, dann checke die Firmen auch mal über kununu und xing und Google ab. Lasst euch aber nicht von den unethisch-erschlichenen fünf-Sterne-Beurteilungen von Bewerbern aus den Gesprächen täuschen! Es interessiert kein Schwein, dass das Gespräch professionell und eine erste Rückmeldung in drei Tagen vorlag. Diese Kommentare zu Firmen sind reiner Müll - und,  im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs angeschnitten, quasi schon wertlose Bestechung. Geht tiefer, auch gerne ein paar Wochen oder Monate zurück. Ins Sommerloch, in die Jahreszahlenberichts-Saison oder in eine kritische Firmenphase. Diese Kommentare, ob nun gut oder schlecht, sagen viel mehr über die Kultur, auf die man trifft und damit auch die höhere oder niedrigere Quote an toxischen Chefs aus, als die Dauer des Vorstellungsgesprächs...

Ich würde mir wünschen, dass ihr das hier alles lest, den Kopf schüttelt und euch denkt, was der Steve wieder für weltfremden Quatsch hier im Blog hat. Und weiter mit Job und Chef hochgradig zufrieden seid und so gar nicht auf die Rente oder den kommenden Urlaub giert. Nur leider ist dem nicht immer so...

Aber, auch hier lohnt ein Blick auf eines der Stromberg-Zitate:

"Ich bin ja quasi die perfekte Mischung aus jung, aber sehr erfahren. Gibt`s in der Form ja sonst nur auf dem Straßenstrich."

Und wer immer noch nicht genug haben kann, von Stromberg und Co: Netflix zeigt ab Mitte Januar alle Folgen vom USA-Klau "The Office" und Stromberg-Vorbild der britischen Serie "The Office". Wer also Gift mit Gift bekämpfen will: Ich wünsche euch viel Spaß!

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