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Philosophie, Literatur, Kultur und Gesellschaft - von Gunnar Kaiser IMPRESSUM http://www.gunnarkaiser.de/impressum read less

Heidegger, der Mensch und die Technik – Prof. Dr. Harald Seubert im Gespräch
Heute
Heidegger, der Mensch und die Technik – Prof. Dr. Harald Seubert im Gespräch
Was ist Technik eigentlich und was sagt sie über den Menschen, der sie benutzt, aus? Die Technik lässt sich als List beschreiben, die weiß, wie man Dinge, die aus der Welt kommen, nutzbar macht, die Natur überlistet und sich ihrer Kräfte bedient. Das technische Denken ist folglich ein verobjektierendes Denken. Es stellt sich das Seiende als Objekt vor, als etwas Vorhandenes, zur Benutzung verfügbar. Der technisch denkende Mensch sieht die Natur als bloße Ressource. Durch seinen Willen zur Herstellung sowie seinen Fokus auf Nützlichkeit und Verwertbarkeit übersieht der Mensch die eigene Bedeutung der Dinge. So könnte man, in Kürze, die Position des deutschen Philosophen Martin Heidegger beschreiben, der sich in mehreren Aufsätzen mit der Rolle der Technik beschäftigt hat. Im KaiserTV-Interview spreche ich mit dem Vorsitzenden der Martin-Heidegger-Gesellschaft, Harald Seubert, über Heideggers kritisches Nachdenken über die Technosphäre. Es geht um das Eingreifen in die Natur des Menschen, das "Gestell" und die "Machenschaft" der Technik, wie etwa die Atomkraft oder die die Raumfahrt, die ein anderes In-der-Welt-Sein mit sich bringen, sowie um die Möglichkeit einer guten, dem Menschen zugewandten Technik. Prof. Dr. Harald Seubert ist deutscher Philosoph, evangelischer Theologe, Hochschullehrer sowie Autor zahlreicher Bücher wie beispielsweise "Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts. Das Strahlen im Zeichen triumphalen Unheils". Seine Webseite: Sein Youtube-Kanal:
Wir befinden uns im postmodernen Totalitarismus! – Prof. Dr. Michael Esfeld im Gespräch
27-11-2022
Wir befinden uns im postmodernen Totalitarismus! – Prof. Dr. Michael Esfeld im Gespräch
Ohne das Fiat-Money-System hätte es die Corona-Maßnahmen nicht gegeben, sagt Prof. Dr. Michael Esfeld, Wissenschaftsphilosoph an der Universität Lausanne. Das Gelddrucken aus dem Nichts erlaubt eine vermeintliche Entkopplung von der Wirklichkeit. Doch am Ende des Tages muss das ausgegebene Geld von jemandem bezahlt werden. Wie dieser Mechanismus im größeren Zusammenhang mit der Bewegung der Ideologie des Postmodernismus steht, erläutert Esfeld im Gespräch. Fiat Money ist der real existierende Postmodernismus, der den intellektuellen Postmodernismus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Wirklichkeit überträgt. Doch hinter der Entkopplung von der Wirklichkeit steht eine grundlegendere Entkopplung: die von der Vernunft als einer letzten Bastion gegen die Übergriffigkeit des Staates. Da Vernunft als Mittel zur Machtbegrenzung in der Postmoderne als weiteres Machtmittel diskriminiert wird, hat der Staat freie Hand. Es setzt sich durch, wer am lautesten schreit bzw. am meisten gesellschaftliche Macht auf sich vereinigt. Ansprüche übertrumpfen Abwehrrechte und anerkannte Standards, etwa der Wissenschaft, werden ausgehöhlt. Das Ergebnis: Wir bewegen uns auf einen postmodernen Totalitarismus zu. Prof. Dr. Michael Esfeld hat seit 2002 den Lehrstuhl für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Lausanne inne und ist seit 2010 Mitglied der Leopoldina. 2013 erhielt er den Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Er gehört dem akademischen Beirat des Liberalen Instituts der Schweiz an. Im Dezember 2020 kritisierte er in einem offenen Brief die Forderung der Leopoldina nach einer Verschärfung des Lockdowns als politischen Missbrauch der Wissenschaft.
Befreit uns die Technik oder versklavt sie uns? – Prof. Dr. Oliver Schlaudt im Gespräch
22-10-2022
Befreit uns die Technik oder versklavt sie uns? – Prof. Dr. Oliver Schlaudt im Gespräch
Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Human Enhancement: die technischen Herausforderungen der Gegenwart sind immens. Wie hat die Technik Körper und Geist des Menschen geprägt? Welches Licht wirft die Urgeschichte auf die Zukunft des Menschen? Welche Techniken sind dem Menschen zuträglich, welche führen ihn auf falsche Pfade oder gar in den Abgrund? Und wie autonom ist der Mensch im technischen Zeitalter? Zur Beantwortung dieser brennenden Fragen, so Oliver Schlaudt im KaiserTV-Interview, sollten wir in die Vergangenheit blicken und studieren, wie Mensch und Technik gemeinsam und in stetiger Wechselwirkung entstanden sind.  Was haben wir verloren?, fragt Schlaudt angesichts der dunklen Seite der Technik, die uns im "Technozän" umgibt (und in die wir eingesponnen sind). Ohne Smartphone, ohne Internet, urteilt Schlaudt, sei das menschliche Leben doch irgendwie besser gewesen - und doch geht es ihm nicht um eine regressive Technikfeindlichkeit. Dr. Oliver Schlaudt ist seit 2022 Heisenberg-Professor an der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Er war Dozent und Lehrbeauftragter in den Bereichen Philosophie und politische Ökonomie an Hochschulen wie der Universität Heidelberg, am  Institut d’études politiques de Paris, sowie am University College Freiburg, wo er von 2020 bis 2021 die Professur „Epistemology and Theory of Science“ vertrat.  Er ist Autor zahlreicher Bücher, wie das zuletzt erschienene "Das Technozän: Eine Einführung in die evolutionäre Technikphilosophie" (