PODCAST

Delikt – Wahre Verbrechen aus Österreichs Süden

Kleine Zeitung

Franz Fuchs, Jack Unterweger, die Karlau-Geiselnahme oder die abscheulichen Verbrechen des Kinderarztes Franz Wurst: In dem Podcast „delikt“ geht es um große, aber auch unbekanntere Kriminalfälle aus Kärnten und der Steiermark. Redakteure der Kleinen Zeitung erklären im Gespräch mit Moderator David Knes die Umstände der Verbrechen und sprechen über Hintergründe, die so nicht zu lesen waren. Zum Auftakt der aktuellen dritten Staffel war Psychiater und Autor Reinhard Haller zu Gast. Er spricht über Fuchs, Unterweger und Co., aber auch über alltägliche Rache, Femizide und gefährliche Narzissten. „delikt“ erscheint nun wieder alle zwei Wochen. Die neuen Fälle reichen von einem vermeintlichen Vorzeige-Pflegeheim, hinter dessen Fassade Angst und Schrecken herrschten, über Bankangestellte, die einen Kunden ermordeten, oder eine okkulte Frauenbande, die selbst vor Mord nicht zurückschreckte, bis hin zu einem Betrug unfassbaren Ausmaßes.

Der Lego-Betrüger: Ein Vermögen auf Sand gebaut
Eigentlich war Martin (Name von der Redaktion geändert) am Sprung zu einer Profi-Sportkarriere. Eine Verletzung machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung, doch er ließ sich nicht unterkriegen und wollte eben anderweitig erfolgreich sein. Der durch und durch sympathische, höfliche und zielstrebige junge Mann (heute ist er 25) hatte schließlich die zündende Idee, es ist eine Start-Up-Geschichte wie sie im Buche steht: Im Keller seiner Eltern begann Martin damit, gebrauchte Legosteine zu sortierten, reinigen und katalogisieren, um so einen Online-Handel aufzubauen. Schnell hatte er fünf Mitarbeiter und einen Laden in der Klagenfurter Innenstadt, dem Lego-Begeisterte die Türen einrannten. Alles scheint perfekt. Martins Geschäft wuchs, die Aufträge wurden mehr und größer, auch die Wirtschaftsredaktion der Kleinen Zeitung berichtete 2019 über das Unternehmen, es war Stadtgespräch in Klagenfurt. Doch dann kam die Anzeige eines verärgerten Kunden, der seine Ware nicht erhielt, es ging nur um ein paar Hundert Euro. Martin hatte eine plausible Erklärung für den "Irrtum". Doch die Anzeige sollte nur der Vorbote einer Lawine an Betrügereien sein, deren Opfer Privatkunden, Sammler, Lego-Künstler und sogar Großhändler von den Niederlanden bis China waren. In langwierigen Ermittlungen konnte die Vorgehensweise Martins nachgezeichnet werden. So versandte er etwa Sandsäcke statt Legosteinen, damit die Sendung das richtige Gewicht hatte. Am Ende konnte der betraute Ermittler mit akribischen Nachforschungen Hunderte Geschädigte ausfindig machen, der Schaden betrug mehr als eine halbe Million Euro. Ungewöhnlich in diesem Fall: Man musste die Opfer finden, da man den Täter ja bereits kannte. Als schließlich schon ein Insolvenzverfahren gegen Martins Firma anhängig war, postete für seine über 140.000 Instagram-Follower – sehr zum Missfallen seiner Gläubiger – regelmäßig Urlaubsfotos, mit Grüßen etwa aus Frankreich oder Italien.    Martin stritt zunächst alles ab, doch das Gericht sah seine Schuld als erwiesen an. Zunächst wurde Martin zu einem Jahr unbedingter Haft verurteilt, doch das Oberlandesgericht in Graz hob das Urteil auf, letztendlich wurden es drei Jahre.   Wer ist Martin und warum begab er sich in diese Situation? Wie liefen die Betrügereien ab? Gab es ein Ausstiegsszenario? Wie dachte er, damit durchzukommen? Wollte Martin einfach nur reich werden, oder sein Unternehmen retten? Über diese Fragen sprechen in dieser Folge von delikt Petra Lerchbaumer aus der Kärntner Bundeslandredaktion und Bettina Auer aus der Wirtschaftsredaktion mit Moderator David Knes.
17-05-2022
35 Min.
Eine Beziehung, der vier Kinder geopfert wurdenAutobombe in Kindberg: Tödliche Geschäfte und verschwundene Zeugen
"Bei der Explosion eines Autos in Kindberg, bei der Montag Vormittag ein 62-jähriger Steirer getötet wurde, dürfte es sich wahrscheinlich um einen Sprengstoff-Anschlag handeln. Gleichzeitig ergaben erste Umfeldüberprüfungen, dass das Opfer des Anschlags Geschäftskontakte in Oststaaten unterhalten hatte." So lautete eine erste Meldung nach der Explosion. Das Opfer war der Unternehmer Adolf Fuchs. In Kindberg hatte er ein Spielzeuggeschäft, das jeder im Ort kannte. Wovon aber nur wenige wussten ist, dass er gemeinsam mit seinem Sohn Geschäftsbeziehungen in die Slowakei unterhielt.Einige Zeit vor dem Tod Fuchs' gab es immer mehr Unregelmäßigkeiten bei den Geschäften, die sich um Autos und Immobilien drehten. Nachdem er längere Zeit keine Zahlungen mehr erhalten hatte, erstattete Fuchs Anzeige in Bratislava. Wenige Monate später musste er sterben. Der bei dem Anschlag verwendete Sprengstoff – Haxagon – wird eigentlich im militärischen Bereich eingesetzt, aber auch von osteuropäischen Mafias verwendet.Der Verdacht, dass die Ost-Geschäfte mit dem Mord zusammenhängen könnten, lag nahe. Konkret wurde die Spur, als die Ermittler auf eine vor seinem Tod von Fuchs notierte Nummerntafel kamen. Tatsächlich war der mutmaßliche Bombenbauer bald gefasst. Doch nach kurzer Zeit kam er frei und verschwand spurlos – vermutlich ermordet. Genau wie die Bewohnerin eines Hauses, das Fuchs gehört hatte, die den echten Drahtziehern des Anschlags womöglich hätte unangenehm werden können. Der langjährige Kriminalreporter der Kleinen Zeitung, Hans Breitegger, spricht mit delikt-Moderator David Knes über einen in Österreich äußerst ungewöhnlichen Kriminalfall und die packenden Hintergründe dazu.Hier geht es zu unserer Podcast-Umfrage.
19-04-2022
26 Min.
Herzesser und Diebslichter: Krimineller OkkultismusDer Herzerlfresser von Kindberg: Sechs Opfer und die "Todesstrafe auf Raten"Steuergeld: Wie 1,76 Millionen in den Taschen eines einzigen Mannes wandertenUlrike Reistenhofer: Hinterließ der Täter "Haikus" über den Mord?Die Morde des "feschen Ferdl": "Keine besonderen Merkmale"Der rätselhafte Tod von Anna Todde
Es war der Tag nach einer kalten Herbstnacht im Oktober 2008, als ein Mountainbiker die schreckliche Entdeckung machte. Im Völkermarkter Stadtwald fand er eine Teils verbrannte Frauenleiche. Kriminalreporter Peter Kimeswenger fuhr mit dem Fotografen Gert Eggenberger zum Tatort um von einem Verbrechen zu berichten, das die Ermittler bis heute beschäftigen sollte. In dieser Podcast-Folge spricht Kimeswenger mit Moderator David Knes über die Hintergründe eines Kriminalfalls, der ihm bis heute keine Ruhe lässt – der Täter konnte nie gefunden werden. Er bespricht auch welche Rolle jüngere Ermittlungsergebnisse nun spielen könnten.Schon kurz nach der Tat stand fest, dass die Frau von mehreren Schüssen getötet wurde, doch ihre Identität blieb lange ungeklärt, war doch ihr Oberkörper mit Benzin übergossen worden und das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Genaue Untersuchungen des Zahnbildes und akribische Ermittlungsarbeit führten nach fast vier Jahren schließlich zu einem Ergebnis. Anna Todde ist der Name der Verstorbenen, eine Italienerin mit familiären Bezug zu Osteuropa.  Vieles deutet darauf hin, dass Todde vor ihrem Tod mit einem männlichen Begleiter unterwegs war. Das lassen DNA-Spuren vermuten, die von einvernehmlichen Geschlechtsverkehr stammen. Die Wohnung von Todde war nach der Tat völlig leer geräumt worden. War es ein Raubmord? Wurde sie am Fundort getötet, oder da erst abgelegt? Kreditkartenabrechnungen zeigen die Behebung eines höheren Betrags kurz vor ihrem Tod, was hat es damit auf sich? Und wer könnte eine Nachricht an Toddes Schwester von ihrem Handy nach der Tat verfasst haben? Diese Podcast-Folge begibt sich auf eine Spurensuche.
21-12-2021
28 Min.
Inzest, Mord, Misshandlungen: Die schauderhafte Geschichte der Familie U.12.500 Opfer: Wie die Gier blendete
In heutigen delikt-Fall gehen wir zurück in die frühen 2000er-Jahre. Mit einem letztendlich leeren Versprechen von schnellem Reichtum werden am Ende 12.500 Opfer um insgesamt fast eine halbe Milliarde Euro betrogen – viele davon um ihr gesamtes Erspartes. Aber von Anfang an:  Es herrscht Goldgräberstimmung: "Ich bin ja nicht, dumm, dass ich arbeiten geh'" – viele ließen lieber ihr Geld für sich arbeiten. Oder dachten zumindest, dass es das täte.Wir befinden uns in Kärnten, in Krumpendorf um genau zu sein. Da hat Wolfgang Auer-Welsbach (ein Urenkel des berühmten Chemikers Carl Auer von Welsbach, dessen Nachnamen er wohl aus Marketingzwecken annahm) sein repräsentatives Anwesen. Von dort aus hat er scheinbar den Bullen des Finanzbooms an den Hörnern gepackt. Mit seinen Firmen schafft er es, abertausende Österreicher zum Investieren zu bewegen. Über Jahre kann er das unglaubliche Versprechen von konstanten "risikofreien" 13 Prozent Zinsen einhalten.Wie das möglich ist, versteht niemand wirklich, aber das ist ja auch nicht so wichtig – solange der Rubel rollt ... "Der Wolfi von Krumpendorf" weiß schon, was er macht. Er gewinnt das Vertrauen, nicht nur von Kleinanlegern, auch ein späterer Finanzminister und eine Ski-Ikone werden am Ende zu den 12.500 Geschädigten zählen. Wohl nicht naiv, aber geblendet von der Aussicht auf immer mehr. Hinter den Kulissen baut Auer-Welsbach ein Pyramidensystem ungeahnten Ausmaßes auf. Unterstützt wird er auch von der Steiermark aus: Hans Linz wird später als der "Madoff vom Grimming" bezeichnet werden. Nur durch weitere Investoren bleibt das System am Laufen.Doch dann ein Schicksalsschlag: "AvW" muss ins Krankenhaus. Ein Prokurist übernimmt seine Agenden und beginnt auf eigene Faust mit Aktien zu jonglieren. Während die Gier von Vielen das System Auer-Welsbachs zu seiner Größe gebracht hat, war es die Gier eines Einzelnen, die es letztendlich zum Einsturz brachte: Die Aktiendeals des Prokuristen scheiterten. Ermittlungen begannen, das Vertrauen war weg, dem gigantischen Kartenhaus damit die Basis entrissen. Investoren konnten nicht mehr ausbezahlt werden. Es begann ein erbitterter Kampf um ums Geld, eine Welle an Prozessen. Zurück blieben nicht nur geschädigte Großanleger, sondern auch zerstörte Existenzen und zerrissene Familien. Gekeilt wurde nämlich auch oft im privaten Umfeld.    Erst als ihm das Wasser bis zum Hals stand, gestand Wolfgang Auer-Welsbach – vermeintliches Finanzgenie, als "zwischen despotisch und chaotischer" Firmenchef beschrieben – den größten Betrug in der Geschichte Österreichs. Er ging als gebrochener Mann ins Gefängnis, blieb dort aber kein Kind von Traurigkeit. Nach nur sechs Jahren war er wieder auf freiem Fuß – zweieinhalb Jahre früher, als vom Urteil vorgesehen. Ob die anfängliche Einsicht in der Haft von Dauer war, kann bezweifelt werden.Mit Thomas Cik und David Knes.
23-11-2021
42 Min.
Mord und Folter hinter der Fassade des "Vorzeigemodells"Mord in Trance: Die unglaublichen Taten eines okkulten Trios in Kärnten
Margit T. reißt plötzlich ihre Augen weit auf, mit starrem Blick und plötzlich tiefer, angsteinflößender Stimme richtet sie Botschaften an ihre Opfer. Wenn das passierte, war für diese klar: Nun spricht Gott durch sein Medium in Form dieser ansonsten eher unscheinbaren Frau. Die "Botschaften Gottes" kamen nicht nur auf diese Weise. T. machte ihren Opfern etwa auch weis, dass sie SMS von Gott empfangen könne.Bekamen die Opfer Textnachrichten in Versalien, war für sie klar, dass diese nun von Gott und nicht von Margit T. stammten. So überredete sie eine junge Frau, die sie zuvor schon um ihre gesamten Ersparnisse gebracht hatte dazu, ihren Arbeitgeber um 200.000 Euro zu bestehlen, für den Wiederaufbau nach dem bevorstehenden Weltuntergang.Margit T. suchte sich ihre Opfer sehr bewusst aus, verstand es ihre Schwächen zu erkennen und gegen sie zu verwenden. Als Energetikerin lernte sie viele der Esoterik-Welt aufgeschlossene Menschen kennen. Sie gab sich als Wahrsagerin aus und schaffte es, viele von ihren vermeintlich übernatürlichen Fähigkeiten zu überzeugen und damit in ein Abhängigkeitsverhältnis zu treiben. Anschließend isolierte sie ihre Opfer von Verwandten und Freunden und drängte sie letztlich zu Straftaten. Immer mit dem Ziel, Geld zu beschaffen. So manipulierte sie auch ihre Komplizinnen Barbara H. und Melitta O. Bei Widerspruch schreckte sie nicht davor zurück "großes Unheil" anzukündigen, das etwa der kleinen Tochter von O. drohe, wenn diese ihre Aufträge nicht ausführte.  Zahlreiche Opfer zahlten unglaubliche Summen an Margit T., sehr viel davon landete in ihrer Eckbank, den sie als "heiligen Ort" bezeichnete, der unter besonderem Schutz gestanden haben soll – in Wirklichkeit aber ein Fass ohne Boden war. Wenn sie ihre Opfer finanziell ausgepresst hatte, ihr gesamtes Erspartes schon in der Eckbank verschwunden waren, versuchte T. alleinige Erbin zu werden.So auch bei einer alleinstehenden wohlhabenden Witwe: Margit T. baute eine Freundschaft zu der Frau auf, isolierte sie von ihrer Tochter, nahm ihr sogar das Handy ab. Das Trio um Margit T. wurde zu den einzigen Bezugspersonen für die Frau. Der Plan ging auf, die Pensionistin setzte T. als Alleinerbin ein. Nach einem Streit drohte die 72-Jährige aber damit, Margit T. aus dem Testament zu streichen. Das sollte ihr Todesurteil sein. Im September 2018 mischte T. einen giftigen Pflanzenbrei. Gemeinsam mit Barbara H. verabreichte sie der Pensionistin das Gift – in einer Cremesuppe. Sie sollte innerhalb weniger Stunden sterben. Doch der Plan schlug fehl, die Dame klagte nur über einen Hautausschlag und Bauchschmerzen. Ein neuer tödlicher Plan musste her. Margit T. beauftragte Barbara H., die Pensionistin mit bloßen Händen zu erwürgen. Sie übten die grausame Tat sogar. H. zögerte zunächst, doch Margit T. forderte, dass sie die Welt von den "negativen Energien" der Frau befreien müsse, sonst würde ihr und der Tochter großes Unheil drohen. Bei einem Besuch setzte H. den Plan schließlich in die Tat um. "Wie in Trance", wie sie später vor Gericht beschreiben wird. Obwohl sie den Mord gestanden hat, sagte sie "das war nicht ich", eine übersinnliche Macht habe Besitz von ihr ergriffen. Nur Dank eines aufmerksamen Streifenpolizisten wurde der Mord als solcher erkannt, beinahe wäre der Leichnam zur Feuerbestattung freigegeben worden. Der letzte Akt in diesem unfassbaren Kriminalfall besteht aus mehreren Bränden im Raum Villach. Wieder instrumentalisierte Margit T. Barbara H. Wieder war es die "Stimme Gottes", die die Straftaten forderte. Wieder müsse böse Energie vernichtet werden, diesmal mit Feuer. Und wieder ging es in Wirklichkeit um Geld – Versicherungsbetrug um genau zu sein: H. hatte eine Feuerversicherung auf ihr Haus abgeschlossen. Doch weil es zu auffällig wäre, wenn nur ihr Gebäude brennen würde, wollte sie den Mythos eines Feuerteufels an die Wand malen. Nach mehreren Bränden klickten am 25. November die Handschellen für die drei Frauen. In einer außergewöhnlichen Pressekonferenz wurde das Ausmaß dieser Verbrechensserie, die so viele Existenzen zerstörte und so viel Leid über zahlreiche Opfer brachte, bekannt. Juristisch ist dieses finstere Kapitel der Kärntner Kriminalgeschichte seit einigen Tagen abgeschlossen. Margit T. und Barbara H. müssen lebenslang hinter Gitter. In dieser Folge von delikt, erzählen Manuela Kalser und Jochen Habich im Gespräch mit David Knes von den unfassbaren Ereignissen, spannenden Details und interessanten Hintergründen rund um diesen Jahrhundert-Kriminalfall.
26-10-2021
1 Std. 10 Min.
Bestohlen, zerstückelt, versenkt"Das Böse lauert in jedem Menschen"Rückblick: Vom Betrugsverdacht zum DoppelmordRückblick: Felzmann – Die Hintergründe zum Doppelmord und der FluchtRückblick: Eine Leiche ohne Gesicht und NamenRückblick: Das Phantom von Graz
November 1981: Wenige Momente zuvor genoss Franz Gross noch einen netten Abend mit seinen Kollegen in einem Grazer Tanzlokal. Kurz vor 1 Uhr verlässt die Gruppe das Lokal – nicht ahnend, dass einer von ihnen gleich einem Attentat zum Opfer fallen wird.Ein maskierter Täter schießt auf Gross und entkommt unerkannt. Der 53-Jährige stirbt wenig später. Seine geschockten Kollegen sind Zeugen des Verbrechens, können zur Aufklärung aber nicht viel beitragen. Nichts im Umfeld des beliebten Familienvaters und Postbeamten liefert irgendein Motiv oder eine Erklärung für die Bluttat. Dennoch präsentiert die Polizei bald einen Verdächtigen. Die bereits zweite fatale Verwechslung in diesem Fall. Der Anschlag galt nämlich einem Unterweltboss. Das  irrtümliche Opfer und der dafür Festgenommene haben eines gemeinsam: Ihre Unschuld.Der langjährige Kriminalreporter der Kleinen Zeitung, Hans Breitegger, erklärt im Gespräch mit David Knes die Hintergründe dieses einzigartigen Falles und wie in den folgenden Jahren nicht nur seine Journalistenkollegen und er unter Druck gesetzt wurden, sondern spricht auch über Mafia-Verbindungen, erpresste Justizvertreter und ein letztendlich eingestelltes Verfahren.Der langjährige Kriminalreporter der Kleinen Zeitung, Hans Breitegger, erklärt im Gespräch mit David Knes die Hintergründe dieses einzigartigen Falles und wie in den folgenden Jahren nicht nur seine Journalistenkollegen und er unter Druck gesetzt wurden, sondern spricht auch über Mafia-Verbindungen, erpresste Justizvertreter und ein letztendlich eingestelltes Verfahren.
19-06-2021
23 Min.
Rückblick: 20 Stunden Todesangst – Als eine Geiselnahme das Land in Atem hielt
[Diese Podcast-Folge ist ursprünglich in unserem Format Graz – Laut gedacht erschienen]Es waren wohl die 20 längsten Stunden im Leben der Geiseln und ihrer Angehörigen – so lange dauerte die Geiselnahme durch Josef Kis-Lukac, der frustriert und bewaffnet am Montag, dem 16. Juni 1980, kurz vor Mittag in eine Arztpraxis in der Grazer Annenstraße eindringt.Der Arzt und ein Sanitäter können fliehen, die restlichen Geiseln bangen um ihr Leben. Der Täter zwingt eine junge Ordinationsgehilfin mit vorgehaltener Waffe seine Forderungen nach außen zu kommunizieren. Sie tritt in telefonischen Kontakt mit einer damaligen Redakteurin der Kleinen Zeitung, Helena Wallner. Stundenlang vermittelt Wallner mit der Ordinationsgehilfin zwischen Geiselnehmer, Zeitung und Polizei. Ergänzung:In Reaktion auf diese Folge hat sich Gerhard Ofner bei uns gemeldet. Er war damals als einer der Beamten der Einsatzgruppe zur Bekämpfung besonders gefährlicher Rechtsbrecher derjenige, der als erster in die Ordination des Arztes gelangt ist und zusammen mit einem Kollegen den Arzt und den Rettungsfahrer geborgen und in Sicherheit gebracht hat.Das sind seine Ergänzungen zu dem Podcast (zusammengefasst):Nicht nur bei der Gendarmerie wurde das „GEK“ aufgebaut, sondern auch in den Bundespolizeidirektionen wurden „Einsatzgruppen zur Bekämpfung besonders gefährlicher Rechtsbrecher“ gebildet und Kriminalbeamte entsprechend ausgebildet und ausgerüstet. Das geschah ohne besondere Information der Öffentlichkeit. Damals waren Beamte dieser Einsatzgruppe der BPD-Graz im Einsatz. Der Auftrag: „unblutige Beendigung der Geisellage, Befreiung der Geiseln und Festnahme des Täters“. Waffengebrauch im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen. Bei unmittelbar drohender Gefahr für das Leben der Geiseln war sofortiges Einschreiten (Konfrontation mit dem Täter) angeordnet. Die körperliche Unversehrtheit und das Lebens der Geiseln war unter allen Umständen zu schützen. Nach der Bergung des Arztes und des Rettungsfahrers über die Feuerwehrleiter, wurde die Lage – die zuvor weitgehend unklar war – erkundet. Der Täter konnte immer wieder durch das Türschloss beobachtet werden. Die an dieser Türe stehenden Geiseln wurde erklärt (Gespräche im Flüsterton waren möglich), wie sie sich im Falle eines möglichen Sturms des Warteraumes verhalten sollten. Diese Informationen wurde auch unter den Geiseln weitergegeben. Schon damals gab es Erkenntnisse über die Bewältigung von Geisellagen und die Führung von Verhandlungen, die einerseits den Täter ermüden, fehleranfällig und unaufmerksam machen und andererseits den Einsatzkräften Raum zur Entwicklung entsprechender Strategien schaffen sollten. Diese Taktik der Sicherheitsbehörden bei Geisellagen war und ist bis heute absolut lege artis. In diesem Sinne erfolgte auch die Einsatzplanung und die Auftragserteilung an das Zugriffsteam der BPD-Graz.
13-06-2021
24 Min.