Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne

Günter Mahler- PODCAST EINS

In einer komplizierten Welt wünschen sich viele einfache Antworten. Die gibt es aber nicht. Wenn man als Christ, die Welt besser machen will, muss man die richtigen Fragen stellen. Das tut Pfarrer, Moderator und Kolumnist Günter Mahler in seinem täglichen KolumnenPodcast! www.podcast-eins.de

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Sozialtourismus war nicht zu Unrecht mal Unwort des Jahres
Heute
Sozialtourismus war nicht zu Unrecht mal Unwort des Jahres
Okay, er hat sich entschuldigt. Aber der CDU-Chef Friedrich Merz ist ein absoluter Polit-Profi und weiß, was er sagt. Und dass seine Worte, nicht am Stammtisch, sondern am Montagabend bei „Bild Live“ geäußert, trotz Entschuldigung natürlich hängen bleiben. Er hat Geflüchteten aus der Ukraine „Sozialtourismus“ unterstellt. Sie würden teilweise hin- und herreisen und unsere Leistungen in Anspruch nehmen. Mich macht dieser Vorwurf sprachlos. Selbst wenn es in Einzelfällen so sein sollte, ist es ungeheuerlich, Menschen in dieser furchtbaren Situation, die sie sich wahrlich nicht ausgesucht haben, auf diese Weise zu diskreditieren. Ich würde sogar sagen, dass es in Ordnung und verständlich ist, dass man nach Monaten in der Fremde, wenn es die Situation erlaubt, zuhause nach dem Rechten schaut. Familienmitglieder und Freunde trifft, die nicht fliehen konnten oder wollten. Doch der Krieg ist nicht vorbei und die Situation in großen Teilen der Ukraine ist unsicher, immer wieder auch gefährlich. Also kann es richtig sein, nach einem riskanten Besuch dort, wieder nach Deutschland zurückzukommen. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind übrigens auch ganz und gar in ihr Heimatland zurückgekehrt und noch viel mehr würden das so gerne tun. Missbrauch und Abzocke gab es immer und wird es immer geben, gerade wenn man Menschen eigentlich helfen will. Man denke nur an die Corona-Schnelltestcenter, die Beschaffung der Masken oder so einen Klassiker wie Steuerhinterziehung. Und ja, auch Flüchtlinge aus anderen Ländern und Leistungsempfänger hier werden nicht immer wirklich berechtigt sein. Das gehört leider dazu. Dies nun aber gerade den kriegsgebeutelten Ukrainerinnen und Ukrainern nach 7 Monaten brutalem Krieg vorzuwerfen, ist echt infam. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Blumen sind das Lächeln der Erde
Gestern
Blumen sind das Lächeln der Erde
Berlin-Brandenburg hätten wir wohl geheißen. Immer wieder gab es ja Bestrebungen, Berlin und Brandenburg zu einem neuen Bundesland zu vereinen. Hat aber nicht geklappt, 1996 scheiterte ein von beiden Landesregierungen vereinbarter Fusionsvertrag an der fehlenden Zustimmung in Brandenburg. Auch bei den Berlinern gab es nicht gerade Euphorie für das Thema. Euphorisch kann man aber werden, gerade als Berlinerin und Berliner, wenn man die Landesgartenschau in Beelitz besucht. Plötzlich ist Brandenburg so viel mehr als das die Hauptstadt umgebende Land oder die Autokennzeichen PM oder TF. Gerade jetzt im Herbst gehen einem die Augen über vor noch immer blühenden Blumen, schönster Gartenkunst, originellen Möbeln, Arrangements unter zarten Pavillons, Kräutern, Früchten, Kürbissen, einfach allem, was die Natur hergibt und was Menschen im besten Sinne draus machen können. Neben dem riesigen Gelände mit all seinen thematischen Überraschungen und meditativen Ruheinseln gehört auch ein Besuch der ebenfalls in diesem Sinne hergerichteten Altstadt Beelitz dazu. Die Krönung ist dort die St. Marien-St. Nikolai-Kirche mit einer üppigen Blumen- und Pflanzenschau direkt im Kirchenschiff. Sie merken, ich schwärme und zwar ausdrücklich für Brandenburg, weil ich es bei der LaGa so attraktiv und sympathisch finde. Falls Sie noch nicht dort waren - noch bis Ende Oktober ist Zeit. Ob und für wen sich die Länderfusion gelohnt hätte, vermag ich nicht zu sagen. Die Landesgartenschau zu besuchen, lohnt sich auf jeden Fall! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Komm mit Deinem Frieden und mach dem Grauen ein Ende
vor 2 Tagen
Komm mit Deinem Frieden und mach dem Grauen ein Ende
„Komm mit Deinem Frieden und mach dem Grauen ein Ende“ klingt nach einem Gebet und ist es auch. Blau-gelb und zweisprachig sind die Gebetskarten, die die Evangelische Kirche in Deutschland jetzt herausgegeben hat. Sie sollen zum gemeinsamen Gebet von Deutschen und Ukrainern aufrufen. Es steht auf Deutsch und Ukrainisch eine bittere Klage darauf und eine Bitte und ein Segen. Man kann die Karten kostenlos bestellen, ganz unkompliziert. Der Hintergrund ist klar: Geflüchtete «sollen wissen, dass sie nicht verlassen sind: nicht von Gott und nicht von anderen Menschen», sagt Bischof Christian Stäblein, der auch EKD-Beauftragter für Flüchtlingsfragen ist. Drastisch beschreibt er das Leid, das der russische Angriffskrieg auf die Ukraine mit sich bringt. Vor allem auch jetzt angesichts der neuen politischen Entwicklungen und des bevorstehenden Winters in dem schon so sehr zerstörten Land. Mir gefällt diese eindeutige Positionierung der Kirche, denn es gibt hier nichts abzuwägen und schon gar nicht zu rechtfertigen. Natürlich sind solche Karten nur ein Zeichen und ich weiß nicht, ob sie wirklich praktisch genutzt werden. Man kann sie in Kirchen oder an Orten ablegen, an denen ukrainische Geflüchtete zusammenkommen. Warum nicht? Und auch wer niemals betet, kann diesen klaren Worten am Ende vielleicht etwas abgewinnen: „Komm mit Deinem Frieden und mach dem Grauen ein Ende“ Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Den Sorgen davonlaufen
vor 5 Tagen
Den Sorgen davonlaufen
Mehr als 42 km rennen am Stück – das ist ein Marathon und das ist auch der Berlin-Marathon jetzt am Sonntag. Mein Respekt für die 45 000 erwarteten Teilnehmer ist grenzenlos. Mein lieber Kollege Thorsten Wittke hat bereits 9 Mal teilgenommen – wow! Ich selbst hatte als Kind nicht viel mit Sport am Hut und hab das Laufen erst mit Mitte 40 für mich entdeckt. Ansporn war damals der AVON-Frauenlauf, überglücklich war ich, als ich die 10 km geschafft hatte und viele solcher Läufe folgten. Weiter geht mein Ehrgeiz nicht, aber das Laufen ist seither ein fester Bestandteil meines Lebens. Wer es körperlich kann, weil keine Knie- oder Rückenprobleme hindern, dem kann ich es nur empfehlen, egal in welchem Alter. Ein phantastischer Sport, gerade in diesen schlimmen Zeiten. Die Nachrichten tun weh, also loslaufen und den Kopf buchstäblich frei kriegen oder mit ganz anderen Ideen oder Gedanken füllen. Bei mir funktioniert es jedes Mal, auch wenn ich nur ein paar Runden auf dem Sportplatz drehe. Wenn Sie mitten in der Stadt wohnen, fahren Sie mit dem Rad zum nächsten Park und laufen erst dort los. Man braucht keine teure Ausrüstung, gut passende Laufschuhe und fertig. Die Strecke, die Geschwindigkeit, jede und jeder wie er mag. Neben der Seele freuen sich natürlich auch das Herz-Kreislaufsystem und die Muskulatur. Am Sonntag werde ich aber wieder nur am Straßenrand stehen, Tränen der Rührung in den Augen, weil ich mich so sehr mitfreue. Junge und alte Menschen von überallher ziehen da in einem steten Strom an uns vorüber, für jeden möchte man klatschen. Und eine große Portion Stolz auf meine so oft geschmähte Stadt schwingt auch noch mit. Am Sonntag also Auf die Plätze - fertig - los ! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Werbung wirkt leider doch
vor 1 Woche
Werbung wirkt leider doch
Jedes Kind zwischen drei und dreizehn Jahren sieht pro Tag im Schnitt 15 Werbespots für ungesunde Lebensmittel. Und dass ungesunde Ernährung eine der Hauptursachen für die Ausbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen ist, ist bekannt. Mehr als 300 Kinder- und Jugendärzte haben am Montag ein Verbot von «Junkfood»-Werbung gefordert. wenden sich an Bundesernährungsminister Cem Özdemir und fordern ein Gesetz, das Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel umfassend beschränken soll. Foodwatch und weitere Organisationen haben sich angeschlossen. Das ist das Eine. Doch auch der umgekehrte Ansatz ist wichtig: jungen Menschen so früh wie möglich etwas über gesunde Ernährung zu erzählen, mit ihnen zu kochen. Ja, die Schulen sind aus mehreren Gründen überlastet, es fehlen Lehrkräfte allerorten und doch sollte das Wissen über gesunde Ernährung und später so etwas wie Haushaltsführung ein Schulfach sein – durchgehend. Das würde sich lohnen. Jedes übergewichtige Kind ist ein zukünftiger kranker Erwachsener – Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen. So drastisch formulieren es Experten. Andere, wie der Autor Martin Rücker, sprechen von verborgenem Hunger, auch in unserem gut ernährten Land. Denn auch übergewichtigen Kindern fehlen oft wichtige Nährstoffe und dies wirkt sich letztlich auch auf ihr Fortkommen in der Schule aus. Alles wissenschaftlich nachgewiesen. Bücher, auch tolle Kochbücher gibt es genug, es braucht Menschen, die in den Schulen über das Essen reden, das müssen nicht unbedingt Lehrerinnen und Lehrer sein! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars
19-09-2022
Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars
Spendenvortrag, Progressionsvorbehalt, Sonderausgabenabzug, unmittelbare Begünstigung, Nutzungsentnahme… wenn Ihnen diese Begriffe was sagen, haben Sie wahrscheinlich beruflich mit Steuern zu tun oder aber Sie haben sich eingefuchst in ‚mein Elster‘ und längst Ihre Steuererklärung fertig. Mir ist das nach einigen Anläufen auch letzte Woche gelungen. Als ich endlich keine Fehlermeldung mehr hatte und das Ding abschicken konnte, hätte ich mir am liebsten einen Sekt aufgemacht. Meine Stimmung war jedenfalls großartig. Diesmal musste ich auch nicht, wie in den vergangenen Jahren, ständig zum Finanzamt radeln und dort Frage für Frage klären. Immerhin hat man mir da stets freundlich weitergeholfen. Warum nur aber ist das so kompliziert? Warum diese sperrigen Begriffe, die man aus keinem anderen Zusammenhang kennt? Klar, wer viel Geld hat, leistet sich einen Steuerberater, eine Steuerberaterin – kostet natürlich, aber das kann man ja auch wieder absetzen und es kommt wahrscheinlich auch mehr raus. Kürzlich wurde bekannt, dass es auch erhebliche Probleme bei der Grundsteuer gibt. Jeder dritte Eigentümer hat Probleme beim Ausfüllen der Formulare hat eine Umfrage ergeben. Bis Ende Oktober müssen Besitzer von Häusern und Wohnungen diese Erklärung beim Finanzamt abgeben. Bisher hat das aber noch kaum jemand geschafft. Müsste es da nicht, wenn es schon so kompliziert ist, einfache und niederschwellige Hilfe geben? Wir sind doch alle nicht blöd und schaffen auch andere Dinge im Leben. Aber wie hat es schon Reinhard Mey 1978 gesungen: ‚Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars - Zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars‘ wunderbar, hör ich mir gleich mal wieder an! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Earth for All
16-09-2022
Earth for All
16.09.2022PC Earth for all – und was sie dafür tun können. Mensch Mahler am 16.09.2022 Earth for all – Teil 2. Wer wissen will, wie sich eine gute Zukunft realisieren lässt, kommt an »Earth for All« nicht vorbei.Der Club of Rome ist einer der bekanntesten Thinktanks der Welt. Er wurde 1968 gegründet und setzt sich für eine nachhaltige Zukunft ein. Dem Zusammenschluss von Expert*innen verschiedener Disziplinen aus mehr als 30 Ländern gehören u. a. Maja Göpel, Hans J. Schellnhuber und Ernst Ulrich von Weizsäcker an. Bekannt wurde die gemeinnützige Organisation durch den Bericht »Die Grenzen des Wachstums«, der über 30 Millionen Mal verkauft wurde. Im oekom verlag erschienen bislang sechs Reports an den Club of Rome, darunter »2052« von Jørgen Randers und »Der geplünderte Planet« von Ugo Bardi. Und nun, 50 Jahre nach den Grenzen des Wachstuns, das Buch des Club of Rome, das ich als 18jähriger politisch erwachter junger Erwachsener verschlungen habe, also Earth for all mit dem zum Teil identischen Forscherinnen Team wie damals. Mich hat es aufgerüttelt und mein gesamtes politisches Leben nachhaltig geprägt. Schon damals waren die Themen dieselben wie heute: Kli-maerwärmung, Gendergerechtigkeit, globale Armut des Südens, Gerechtigkeit für alle, Energiewende und nachhaltige regenerative Landwirtschaft. Ich wünsche dem Buch Earth for all die selbe durchschlagende Wirkung – nein, noch mehr, denn dieses Buch ist noch notwendiger wie die Grenzen des Wachstums. Möge es auch wieder eine ganze Generation weltweit wachrütteln. Das Zeug dazu hat es auf jeden Fall. Schlusssatz: Hat dieser Globus noch eine Chance? Das entscheiden Sie, wenn sie dieses Buch zuklappen und den nächsten Schritt tun.„Earth for all“, herausgegeben vom Club of Rome, 256 Seiten kosten 25 Euro, die die Welt – mindestens ihre Welt – verändern können.  Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
50 Jahre nach den Grenzen des Wachstums
14-09-2022
50 Jahre nach den Grenzen des Wachstums
15.09.2022PC Earth for all. Mensch Mahler am 15.09.2022 Vielleicht ist es noch nicht zu spät. 50 Jahre nach dem Report des Club of Rome „Die Grenezen des Wachstums“ erscheint in diesen Tagen das Nachfolgewerk „Earth for all“. All das, was vor 50 Jahren vorausgesagt wurde, ist eingetroffen. Nein, schlimmer noch: Die Szenarien, die das internationale ForscherInnenteam des Club of Rome vor 50 Jahren entworfen hat, sind allesamt übertroffen worden – im negativen Sinn. Fünf Themen waren es damals, fünf Themen sind es heute:-       die Armut im globalen Südendie grassierende Ungerechtigkeit-       die Entwicklung einer regenerativen und naturverträglichen Landwirtschaft-       die umfassende Energiewende-       und die Gleichstellung der Frauen. Mit diesen 5 Programmpunkten könnte das Steuer des trägen »Tankers Erde« von seinem zerstörerischen Kurs noch abgebracht werden. Dafür verbinden die Forschenden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit innovativen Ideen für eine andere Wirtschaft. Der aktuelle Bericht an den Club of Rome liefert eine politische Gebrauchsanweisung für die wesentliche Handlungsfelder, in denen mit vergleichbar kleinen Weichenstellungen große Veränderungen erreicht werden können. Sie behaupten: noch haben wir eine nicht ganz unrealistische Chance. Aber wir müssen sie ergreifen: jetzt. Und alle. Also auch Sie und ich. Unbedingt lesen, wenn sie an der Zukunft unseres Planeten interessiert sind und handeln möchten: Earth for all, herausgegeben vom Club of Rome, 256 Seiten kosten 25 Euro, die die Welt verändern können. Wenigstens für die Leserin, den Leser. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Zeitenwende?
14-09-2022
Zeitenwende?
14.09.2022PC Zeitenwende? Mahler meint am 14.09.2022 Zeitenwende. Wie oft wird dieses Wort strapaziert in diesen Tagen. Sagen können es nur Spätgeborene und Geschichtsvergessene. Wie viele Zeitenwenden gab es schon? Die Zeitenwende, als sich die Menschen anschickten, ihre Stammesgebiete zu verlassen und die Welt zu erobern. Die Zeitenwende, als eine Religion, die christliche, sich anschickte, die ganze Welt mit ihrer Ideologie zu überrennen. Die Zeitenwende der Reformation, der Aufklärung, der Kolonialisierung, der großen Kriege. Der Siegeszug des Kommunismus. Und letzten Sonntag dachte ich: 9-11 – auch schon 21 Jahre her – war auch eine Zeitenwende. Clash of Cultures, Bekämpfung des Islamismus, Golfkrieg, Syrien, Jemen und und und. Sicher, jetzt ballt sich einiges zusammen. Energiekrise, Russlands Überfall auf die Ukraine, die seit der Gegenwehr von den Russen jetzt auch als Krieg deklariert wird, den aber die anderen erklärt haben, Klimakrise, Rohstoffmangel und riesige Probleme in den globalen Lieferketten. Aber wer heute von einer niemals dagewesenen Zeitenwende spricht, den würde ich gerne in eine Zeitmaschine packen und ihn ins finsterste Mittelalter beamen. Oder in den Hungerwinter 1945/46.Zeitenwende? Ja, eine von vielen. Die immerwährende Apokalypse. Bisher hat es die Menschheit geschafft, mit vielen Opfern den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Ob sie es diesmal schaffen wird, werden wir sehen. Morgen stelle ich ihnen den neuen Report des Club of Rome vor. Dort wird beschrieben, wie es geht.  Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Die heulende Ärztin
13-09-2022
Die heulende Ärztin
13.09.2022PC Medizinische Versorgung außer Kontrolle. Mensch Mahler am 13.09.2022 OK, ich habe lange im Wartezimmer gesessen, obwohl ich einen Termin hatte. Nach knapp 2 Stunden werde ich ins Behandlungszimmer gebeten. Meine geschätzte Ärztin stürmt ins Zimmer, reißt das Fenster aus und poltert los: „Sie machen mich bestimmt auch gleich rund, weil sie lange warten mussten ...“ Nein, sage ich, ihre freundliche Assistentin hat mir am Telefon gesagt, dass sie mich reinnimmt obwohl eigentlich kein Termin frei ist und ich Zeit mitbringen solle. Das habe ich getan, habe gelesen, ein wenig mit dem Tablet gearbeitet und alles ist für mich ok so.Dann passiert etwas völlig unvorhergesehenes. Meine tolle, kompetente und überaus freundliche Ärztin setzt sich auf den Stuhl und bricht in Tränen aus. „Ich kann nicht mehr. Ich werde nur noch beschimpft und angepöbelt. In der Nachbarschaft hat eine Kollegin dicht gemacht, weil sie zusammengebrochen ist. Jeden Tag rufen 10 Menschen an und fragen, ob ich sie aufnehmen könnte. Und dann schnauzen mich die Patienten, denen ich ja gerne helfe, an, weil sie warten müssen. Sie nehmen sich keine Zeit für mich, obwohl ich ihnen jeden Tag mehr Zeit gebe, als ich eigentlich habe. Fragen sie mal meine Kinder, wann ich für die zum letzten Mal Zeit für sie hatte.Rollentausch. Ich tröste meine Ärztin. Frage, ob ich ihr irgendwie helfen kann. Schäme mich in Grund und Boden dafür, dass wir eine aggressive und egomanische Gesellschaft geworden sind, die die anpöbeln, die ihnen helfen in diesen schwierigen Zeiten. Was ist bloß passiert mit uns? Die mit am besten versorgten Menschen auf diesem Globus beschimpfen und beleidigen die Helfer, die sich aufopfern. Nein, ich kann das nicht mehr ertragen. Da wird anderen Leuten das Haus unter dem Hintern weggebombt und wir jammern, weil wir in einem Wartezimmer warten müssen. Oder weil das Gemüseregal nicht prall gefüllt ist. Oder weil wir im Winter 1 oder 2 Grad runterkühlen sollen. Armes Deutschland. Armes medizinisches Personal, arme Polizei. Ihr habt es mit einem Haufen hirnloser Ignoranten zu tun. Wen wunderts, wenn mache aufgeben oder krank werden? Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Once upon a time
12-09-2022
Once upon a time
12.09.2022PC Once upon a time. Mensch Mahler am 12.09.2022Wir lagen uns in den Armen gestern am kleinen Wannsee. Da waren Leute, die vor 25 Jahren das scheinbar unmögliche gewagt haben: auf dem harten Radiomarkt Berlins haben sie einen Sender gegründet, privatrechtlich, werbefinanziert – der aber nach anderen Spielregeln ticken sollte als alle anderen. Gute Musik – klar. Aber andere Inhalte. Werteorientiert. Seriös, ohne Klamauk und doofe Gewinnspiele. Wir haben es gewagt, vor 25 Jahren. Ich war dabei.Und gestern feierten wir, dass Radio Paradiso in Berlin seit 25 Jahren ununterbrochen sendet. Viele Leute der ersten Stunde waren da, viele aktuelle und ehemalige Mitarbeitende. Ja, es war schwer und die Krisen kamen nicht selten. Und doch gibt es heute UKW-Frequenzen und DAB + in einigen Bundesländern. Und doch gibt es Sendeformate in 6 verschiedenen Musikstilen mit demselben Inhalt: Gute Nachrichten sind es auch wert, gesendet zu werden. Nicht nur Bad News sind Godnews und außer Sex und Crime gibt es auch andere Inhalte, die verkaufen. Wie dem auch sei; wir haben uns erinnert. An die Goldgräberstimmung in den frühen 90iger Jahren des letzten Jahrhunderts. An die Stadt im Aufbruch nach der Wiedervereinigung. Ich persönlich denke an unzählige Interviews mit Politikern und anderen Promis – aber vor allem mit ganz gewöhnlichen Mitbürgern. Für die machen wir Programm. Mit ÄrztInnen in Natürlich gesund. Mit Coachs und mit Gedanken zum Auftanken – stündlich. Und mit meinen Mahler meints, in denen mich Julia Nogli in den letzten zwei Wochen vertreten hat. Jetzt bin ich wieder dran. Julia und ich hoffen, sie haben so viel Spaß wir. Bleiben sie Dran – wir bleiben auf jeden Fall on Air. Und sie auf Empfang – die nächsten 25 Jahre? Wir werden sehen. UKW wird schon seit Jahrzehnten totgesagt. Und wir leben immer noch. Dank ihnen, unseren Hörerinnen und Hörern. Dafür vielen Dank und guten Empfang. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Und vergib uns unsere Schuld
09-09-2022
Und vergib uns unsere Schuld
‚Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern‘ Als Kind hab ich diese Zeilen aus dem Vaterunser gar nicht verstanden. Ich dachte immer, es ginge um Geldschulden und wusste partout nicht, wem ich diese vergeben oder erlassen sollte. Nun weiß ich es längst besser. Gerade gestern konnte man im Tagesspiegel lesen, dass der fast 60-jährige Julian Lennon seinem berühmten Vater John Lennon vergeben hat. Der war nämlich oft abwesend, vor allem nach der Trennung von Cynthia, Julians Mutter. Da war der Kleine 5 Jahre alt und Paul McCartney schrieb den heutigen Klassiker ‚Hey Jude‘ für ihn in dieser Trennungssituation. Erst jetzt im späten Erwachsenenalter hat Julian Lennon, auch durch die Doku ‚Get back‘ über die Beatles, das Gefühl des Vernachlässigt-worden-seins überwunden und die positiven Seiten seines Vaters wieder hervorgerufen: wie klug er war, wie vergnügt oft und verrückt. Das hatte er als Kind ja auch erlebt. Gut geht es ihm jetzt damit. Das hört man oft, in der Therapie spielt dieses vergeben, auch die Aussöhnung mit den bereits verstorbenen Eltern eine wichtige Rolle. Kommt natürlich darauf an, was man ihnen vorzuwerfen hat. Generell ist Verzeihen oft besser, als ewig Hass, Rache oder andere ungute Gefühle mit sich herumzuschleppen. Doch es kann von niemandem verlangt werden, schon gar nicht, wenn es z.B. um ein schweres Gewaltverbrechen geht. Als sich jetzt die furchtbare Geiselnahme und das anschließende Massaker an israelischen Sportlern bei den Olympischen Spielen 1972 jährten, hörte man die Tochter eines dieser Sportler, die dies natürlich niemals verzeihen kann. Verständlich. Vergebung kann guttun, das entscheidet aber jede und jeder für sich selbst. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Freiwillig mehr Steuern zahlen
08-09-2022
Freiwillig mehr Steuern zahlen
Was haben Herbert Grönemeyer, Marlene Engelhorn, Dietmar Hopp, Marius Müller-Westernhagen, Antonis Schwarz und Stefanie Bremer gemeinsam? Sehr, sehr viel Geld, ob erarbeitet, geerbt oder ersungen und sie alle wollen davon etwas abgeben. Nicht einfach so, sondern sie fordern eine deutliche Steuererhöhung für Vermögende. Man hat ja diese Zahlen schon mal gehört: 1% besitzen in Deutschland 35% des Gesamtvermögens und gerade in der aktuellen, durch den Krieg ausgelösten Energiekrise, warnen Experten, dass inzwischen bis zu 40% keinerlei Rücklagen haben. Wenn jetzt also größere Ausgaben drohen, ist schlichtweg kein Geld auf der hohen Kante. Doch schon vor Jahren haben sich u.a. die Obengenannten in Initiativen wie ‚taxmenow‘ oder ‚Steuerprivilegien kippen‘ verbündet, um ihr Anliegen, selbst höher besteuert werden zu wollen, öffentlich zu machen. Nun sagen manche, sollen sie ihr Geld doch spenden. Tun sie ja auch, aber das ist etwas Anderes. Auch wieder ein Privileg, sich aussuchen zu können, wen oder was man unterstützt. Nein, es soll z.B. durch eine Anhebung des Spitzensteuersatzes dem Staat, also letztlich der Gesellschaft zugute kommen. "Wenn man Gemeinschaft möchte, müssen diejenigen, die leichter viel Geld verdienen, auch leichter mehr Geld abgeben", so sagt es Grönemeyer. Ob das nun eine Vermögensabgabe ist oder auch eine deutliche Erhöhung der Erbschaftssteuer oder hochwertige Immobilien stärker besteuert werden, das erarbeiten Wissenschaftler. Und ausdrücklich soll es nur Personen betreffen, wo es wirklich nicht weh tut. Doch der politische Widerstand durch fast alle Parteien ist groß – schade eigentlich! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Der Lack ist dran
07-09-2022
Der Lack ist dran
Neu ist es nicht, gab es hier und da schon in den letzten 30,40 Jahren, aber in letzter Zeit fällt es mir immer mehr auf: Jungs mit lackierten Fingernägeln. Meist schwarz lackiert, aber nicht immer. Und sie sind ansonsten keineswegs exzentrisch gekleidet, kein Kajalstrich, kein gefärbtes Haar, kein langer schwarzer Mantel. Die oft sehr jungen Männer haben Jeans, T-Shirts und Hoodies an. Es ist – das konnte ich sogar nachlesen - bei urbanen jungen Männern kein Massenphänomen, aber es ist immer öfter zu beobachten. Der Modedesigner Gianni Versace hatte 1994 männliche Models mit Minirock über der Hose, roten Lippen und eben lackierten Nägeln über den Laufsteg in Mailand geschickt. Auf die Frage, wer so etwas denn tragen würde, antwortete er: "Nette und geistreiche Männer". Was für eine schöne Antwort! Den Schauspieler Lars Eidinger sah man schon mit schwarzem Nagellack, den Sänger Harry Styles sowieso schon eine ganze Weile und Fußballstar Cristiano Ronaldo mag lieber lackierte Fußnägel. Völlig daneben ist aber das Bemühen der Kosmetikindustrie, spezielle Nagellacke für Männer auf den Markt zu bringen. Betongrau z.B. oder Mattschwarz. Gibt doch längst jede nur denkbare Farbe, oder? Und erzählt uns jetzt nicht, die Fingernägel von Männern seien ganz anders beschaffen.Zurück aber zu den Jungs in der S-Bahn oder in der Bar: Hier gefällt mir gerade diese neue Normalität, die sich irgendwie eingeschlichen hat. Kein Statement, so scheint es mir, kein Auffallen-Wollen, sondern lackierte Nägel, einfach so, warum auch nicht? Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Mehr grüßen
05-09-2022
Mehr grüßen
Schönen guten Tag, ich grüße Sie und zwar deshalb, weil ich mich heute mit dem Grüßen beschäftige. In meinem Sportstudio, das erfreulicherweise, obwohl es so preiswert ist, eine Sauna hat, fiel mir immer schon etwas Seltsames auf: in der Frauensauna wird eher nicht gegrüßt, still kommt man herein, sucht sich einen Platz und ebenso lautlos verschwindet man wieder. Ganz anders in der gemischten Sauna: hier grüßen die Männer beim Hereinkommen laut und deutlich und noch netter fällt die Verabschiedung aus: tschüß, angenehmen Tag oder ..schönet Wochenende noch!Im Österreich-Urlaub kamen wir aus dem Grüßen gar nicht mehr heraus: erst war‘s ungewohnt und wir fielen wieder als schoflige Touristen auf, dann aber immer: auf dem Berg sowieso, aber auch beim Spaziergang mit dem Hund, beim Fahrradfahren, eigentlich immer ‚Grüß Gott‘ oder ‚Servus‘, mindestens hallo! Kaum zurück in Berlin waren Fremde wieder Personen, die man nicht grüßt, mit denen man oft nicht mal Blickkontakt hat. Na gut, am S-Bahnhof oder in der belebten Schloßstraße wäre es auch absurd. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: wir Hundebesitzer grüßen uns und das genieße ich sehr. Seit wir unseren Hund haben, kenne ich auch wesentlich mehr Leute in der Nachbarschaft. Motorradfahrer grüßen sich meist auch – finde ich immer wieder schön. Und kennen Sie diesen Tipp für ein glücklicheres Leben? Grüßen Sie heute einfach mal eine Ihnen fremde Person.Ich werde jetzt nicht nur in der Frauensauna grüßen, sondern auch die Frau, die die Umkleidekabine neben mir hat. Und, das mach ich allerdings schon länger: die Busfahrerin oder den Busfahrer der BVG. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Öffentlich-rechtlich-verschwenderisch
02-09-2022
Öffentlich-rechtlich-verschwenderisch
Nun also auch noch Schmu bei der Beschäftigung eines Beraters. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg hat bei der Beschäftigung einer Beraterfirma wohl gegen das Vergaberecht verstoßen. Ein Berater, der gar nicht mehr beauftragt werden durfte, soll als Subunternehmer bei einer für den RBB tätigen Anwaltskanzlei beschäftigt worden sein. Und er soll unrechtmäßig Leistungen für den RBB in Rechnung gestellt haben. Kommt immer noch was drauf in diesem Skandal und es geht hier eben um unsere Gebührengelder, die krass verschwendet werden. 55,08 € zahlen wir alle 3 Monate, auch Leute, die keinen Fernseher haben und sich auch nie einen anschaffen würden. Doch die digitalen Angebote und das Radio stehen ja auch zur Verfügung. So ärgert man sich seit Wochen über das Finanzgebaren - wir erinnern uns: Nach Vorwürfen über Korruption, Vorteilsnahme und Verschwendung von Beitragsgeld trat die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger Anfang August zurück – und wurde später sogar entlassen - ohne Abfindung. Wenn man selbst bei einem Privatradio arbeitet, ausschließlich werbefinanziert und eben ohne Gebühreneinnahmen, stößt einem dies alles besonders übel auf. Und doch möchte ich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht missen. Hier und da sehe ich Verschwendung, auch von Kapazitäten und Manpower, aber ARD, ZDF, Arte und Co, außerdem den RBB auch mit seinen Radiosendern, nutze auch ich gern und oft. Nachrichtensendungen, politische Talkshows, Reportagen, ja seriöse Berichterstattung, das schätze und wertschätze ich. Gerade darum ist es so ärgerlich, dass durch haarsträubende Verschwendung nun wieder Stimmen laut werden, die das ganze System abspecken oder gleich ganz abschaffen wollen. Lieben Gruß an die freien und festen Kolleginnen und Kollegen, hoffentlich gelingt die Aufklärung und ein Neuanfang! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Ruhe in Frieden – auch wenn der gerade weit entfernt ist
01-09-2022
Ruhe in Frieden – auch wenn der gerade weit entfernt ist
Auf dem Schwarzweiß-Foto in den Nachrichten Dienstag am späten Abend haben wir ihn erst gar nicht erkannt. So anders sah der gealterte Michail Gorbatschow aus, dessen Gesicht doch sonst so unglaublich bekannt war. Dann fiel aber sein Name mit der Nachricht, dass er mit 91 Jahren gestorben ist. Ach Gorbi, dachten wohl viele. Gerade hier in Deutschland und in Europa ein Hoffnungsträger damals, ein Reformer und wenn er natürlich nicht allein die deutsche Einheit und den Fall des Eisernen Vorhangs bewirkt hat, so wäre dies alles ohne ihn wohl nicht so gelaufen. Nur von März 1990 bis Dezember 1991 war er Staatspräsident der Sowjetunion, davor aber jahrelang Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Diese wollte er nicht abschaffen, aber umwandeln und wir alle lernten die Worte Glasnost (‚Transparenz, Offenheit‘) und Perestroika (‚Umbau‘). Da dies zwar in Ansätzen gelungen ist, aber letztlich zu großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Zusammenbruch der Sowjetunion führte, ist er im heutigen Russland nicht annähernd so beliebt wie im Westen. Und diese hohe Anerkennung zeigt sich gerade in diesen Zeiten mit seinem Tod. Denn den Angriffskrieg auf die Ukraine hatte der inzwischen Schwerkranke aufs Schärfste verurteilt. War er es doch, der in Abrüstungs-verhandlungen mit den USA das Ende des Kalten Krieges eingeleitet hatte und der 1990 den Friedensnobelpreis bekam. Schade, dass Gorbatschow in seinem letzten Lebenshalbjahr einen auch für ihn unerträglichen Krieg aushalten musste. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.